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rudi vierbauch, obmann von bio austria
Foto: BIO AUSTRIA

Rudi Vierbauch: „Bio lebt man einfach!“

Rudi Vierbauch (55) ist der neue Obmann des Dachverbandes Bio Austria. Der Kärntner ist drei Tage in der Woche selbst als Biobauer am Feld – und weiß nur zu gut von den Anliegen der Biolandwirtschaft. Vierbauch tritt ein für eine faire Preisgestaltung und will mehr Landwirte für den Biolandbau gewinnen. 

 
biolebensmittel.at: Sie sind seit April Obmann von Bio Austria. Welche Themen werden Sie nun anpacken?
 
Rudi Vierbauch: Hier gibt es natürlich viele Dinge, die mir am Herzen liegen. Grundsätzlich wollen wir bei Bio Austria Nutzen für unsere Mitglieder bringen – sowohl einen wirtschaftlichen wie auch einen ideellen. Ich möchte mich jedenfalls für gerechte Preise am Biomarkt stark machen – und zwar für jeden einzelnen in der Wertschöpfungskette vom Bauern bis zum Kunden. Mein zweites großes Anliegen ist die Ökologisierung der österreichischen Landwirtschaft. Die Voraussetzungen für den Umstieg von konventioneller Landwirtschaft auf biologische sind zur Zeit ideal, wenn man die Marktsituation betrachtet. Bio hat in der Gesellschaft eine hohe Akzeptanz, der Marktanteil steigt weiter.
 
biolebensmittel.at: Wie kann man der Lücke zwischen Nachfrage und Produktionskapazität, die es am österreichischen Biomarkt gibt, entgegenwirken?
 
Rudi Vierbauch: Unser Ziel ist es, dass in Zukunft österreichische Bioprodukte vorwiegend auch aus österreichischen Lebensmitteln erzeugt werden. Langfristig gesehen, soll das auf alle wichtigen Sortimentsbereiche ausgedehnt werden – neben Obst, Gemüse und Molkereiprodukten vor allem auch bei Fleisch. Um diese Entwicklung anzukurbeln, sind natürlich auch Wirtschaft und Politik gefragt. Hier wird es noch Gespräche geben, welche Maßnahmen getroffen werden können.
Der Strukturwandel, den es generell in der Landwirtschaft gibt, findet auch im Biobereich statt. Das heißt, dass die Anzahl der Biobauern leicht rückläufig ist, die Flächenzuwächse sind hingegen positiv. Aktuell gibt es rund 20.500 Biobauern in Österreich. Jedenfalls sollten weiterhin konventionelle Landwirte davon überzeugt werden, auf Bio umzusteigen. Wenn Politik und Wirtschaft jetzt in Biolandwirtschaft investieren, dann ist das gut angelegtes Geld!
 
biolebensmittel.at: Im Juni wurde die neue EU-Bioverordnung beschlossen. Damit ist in Zukunft das EU-Biologo verpflichtend; gentechnische Verunreinigungen sind bis zu einem Grenzwert von 0,9 Prozent vorgesehen. Sind sie zufrieden mit der neuen Verordnung?
 
Rudi Vierbauch: Die EU-Bioverordnung ist um einiges besser als der erste Entwurf. Neben dem EU-Biologo ist nun auch eine nationale Kennzeichnung möglich. Bezüglich der Gentechnik hat ja Österreich nach jahrelanger Vorarbeit die Grenzmarke von 0,1 Prozent umgesetzt und damit europaweit eine Vorreiterrolle eingenommen. Wir sind stolz, dass wir das geschafft haben und werden jedenfalls auch weiterhin den Grenzwert von 0,1 Prozent beibehalten. Unsere Vorreiterrolle können wir auch am Markt nutzen.
 
biolebensmittel.at: Mit dem wachsenden Bio-Sortiment gibt es auch immer wieder kritische Stimmen, die z.B. Bio als Verkaufsschmäh anprangern. Was sagen Sie zu solchen Kritikern?
 
Rudi Vierbauch: Ich persönlich hätte es lieber, wenn Bio nicht über solche Schlagzeilen Aufmerksamkeit erregt. Andererseits zeigen solche Querschüsse, dass Bio ein Thema ist und bewegt. Besser fände ich es allerdings, wenn diese Kritiker sich tatsächlichen Problemen zuwenden würden, denn Unschärfen sollen auf jeden Fall aufgezeigt werden.
 
biolebensmittel.at: Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem Handel?
 
Rudi Vierbauch: Der Handel ist ein wichtiger Partner. Diese Partnerschaft ist nicht immer ganz einfach – aber stets mit Gesprächen und Austausch verbunden. So sind wir immer wieder auf Ergebnisse gekommen, die für beide Seiten akzeptabel waren. Ich hoffe das wird auch in Zukunft so sein.
 
biolebensmittel.at: Sie selbst betreiben in Kärnten einen Biobetrieb. Haben Sie schon mal daran gedacht aufzuhören?
 
Rudi Vierbauch: Nein, meine Arbeit als Bio-Bauer finde ich ganz wichtig - das ist eine 100prozentige Erdung für mich. Drei Tage in der Woche bin ich im Stall und auf dem Feld. Diese Authentizität ist auch ganz wichtig für meine Rolle als Obmann von Bio Austria. Ich weiß wovon ich rede, wenn ich bei Verhandlungen die Interessen der Bio-Landwirte vertrete!
 
biolebensmittel.at: Welche Produkte findet man bei Ihnen zu Hause im Kühlschrank?
 
Rudi Vierbauch: Natürlich fast ausschließlich Bio-Produkte! Bio lebt man einfach!
 
biolebensmittel.at: Vielen Dank für das Gespräch!
 

24.08.2007, Lebensministerium Öffentlichkeitsarbeit