Biolebensmittel in den USA
Der Bio- Boom hält neben Europa im speziellen auch jenseits des Atlantiks Einzug. Nachhaltiger Lebensstil wird in den USA zum Massentrend, die Nachfrage nach Biolebensmitteln steigt rasant.
Bio- BoomWeltweit boomt das Geschäft mit Biolebensmitteln. Betrug der weltweite Umsatz in dieser Produktsparte im Jahr 2002 noch 23,1 Mrd. US- Dollar, so wuchs dieser bis 2006 um zwei Drittel auf 38,6 Mrd. US- Dollar (Quelle: The World of Organic Agriculture, statistics and emerging trends 2008). In Europa ist Österreich der Vorreiter in Sachen ökologischer Landwirtschaft: 13 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe produzieren biologisch, der Warenkorb der Österreicher besteht durchschnittlich zu fünf Prozent aus Biolebensmitteln. Das besondere Augenmerk europäischer Bioerzeuger liegt in den letzten Jahren auf den USA.
Der US- amerikanische Biolebensmittelmarkt
In den USA ist der potentiell größte Markt für Produkte aus nachhaltiger Erzeugung zu finden. Der sogenannte LOHAS- Trend - LOHAS steht für Lifestyle of Sustainability and Health, also einen nachhaltigen und gesunden Lebensstil -, der in den USA seinen Ursprung hat, lässt die Umsätze des biologisch orientierten Lebensmittelhandels sprudeln. Für das Jahr 2007 wird das gesamte Handelsvolumen dieser Branche auf 20 Mrd. US- Dollar geschätzt, das ist ein Anteil von drei Prozent des Gesamtlebensmittelmarktes. Das jährliche Umsatzplus beträgt ca. 3,5 Mrd. US- Dollar, die Wachstumsraten des Biomarkts lagen seit 1997 durchwegs im zweistelligen Bereich (17,2 bis 21%).
Die Absatzkanäle für Biolebensmittel erstrecken sich mittlerweile auch auf die großen US- amerikanischen Supermarktketten wie Wal-Mart und Safeway, die auch eigene Biohandelsmarken vertreiben. Darüber hinaus gibt es in den USA eine Vielzahl von Nahversorgern und Biosupermärkten, die primär Bioware anbieten, beispielsweise die Kette Whole Foods Market.
Mit biologischen Anbauflächen im Ausmaß von 1,6 Mio. Hektar lagen die USA 2006 weltweit - nach Australien, China und Argentinien - an vierter Stelle (Quelle: wie oben). Die hohe Nachfrage kann jedoch nicht durch die inländische Produktion abgedeckt werden. Die USA sind ein wichtiger Importeur von Biolebensmitteln. Die bedeutendsten Handelspartner in diesem Segment sind Mexiko, Argentinien und Brasilien.
Institutionen und Regelungen
Wie sieht es nun mit den rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen in den USA aus? Wie und von welchen Stellen werden Biolebensmittel kontrolliert? Wie wird biologische Landwirtschaft in den USA gefördert?
Das National Organic Program (NOP) wurde durch die Agricultural Marketing Service (AMS), einer Agentur des United States Department of Organic Agriculture (USDA) entwickelt. Während die Aufgaben des USDA denjenigen des österreichischen Landwirtschaftsministeriums ähneln, ist das Agricultural Marketing Service (AMS) in vielen Bereichen mit der österreichischen Agrarmarkt Austria (AMA) bzw. AMA Marketing vergleichbar: Die Organisation erlässt Standardisierungen, Klassifizierungen und veröffentlicht Nachrichten für unterschiedliche landwirtschaftliche Produkte. Darüber hinaus werden Gesetzesvorschläge erarbeitet, Marketingabkommen geschlossen, Forschungsprogramme verwaltet und Öffentlichkeitsarbeit betrieben. Hauptaufgabe ist die Förderung des Absatzes US- amerikanischer landwirtschaftlicher Produkte im In- und Ausland. Ähnliche Zielsetzungen hat auch die Organic Trade Organisation (OTA): Sie ist ein Verband von Bioerzeugern und in den USA und in Kanada tätig.
Das National Organic Program enthält eine Auflistung sämtlicher Substanzen, die in der ökologischen Produktion und Verarbeitung zugelassen bzw. verboten sind. Zusätzlich wird in diesem Rahmen die heimische Produktion entwickelt und verwaltet sowie die Verarbeitung und Kennzeichnung biologischer landwirtschaftlicher Produkte geregelt. Zu den Aufgabenbereichen zählen zudem die Akkreditierung von Zertifizierungsstellen im In- und Ausland, die die Übereinstimmung der Erzeugung und der Verarbeitung mit den Standards des USDA überprüfen. Im Jahr 2007 betrug die Anzahl der in- und ausländisch akkreditierten Zulassungsstellen 95 (davon 55 national, 40 im Ausland).
Produktkennzeichnung
Im Jahr 2002 wurde mit den National Organic Program Regulations ein verpflichtender nationaler Standard eingeführt, der die bis dahin diversifizierten Richtlinien einzelner Verbände ablöste. Die Regelungen betreffen die Erzeugung wie auch Weiterverarbeitung von Bioprodukten. Ausgenommen von der Einhaltung der NOP Richtlinien sind die Erzeuger von Bio- Fisch und Meeresfrüchten, für die das USDA noch keine verbindlichen Regelungen formuliert hat. Hierfür gelten nach wie vor die bestimmungen einzelner Verbände (Stand: April 2008). Die Bandbreite der Richtlinien erstreckt sich auf Feldfrüchte (Pflanzen, Baumwolle) und tierische Produkte. Landwirtschaftsbetriebe, die unter 5000 US- Dollar im Jahr an Umsatz erreichen, sind von einer Zertifizierungspflicht ausgenommen. Sie dürfen ihre Produkte selbst kennzeichnen, aber nicht das USDA Organic Logo führen.
Die Kennzeichnung von Bioprodukten in den USA enthält das USDA- Biologo einen der folgenden Wortlaute:
- 100 Percent Organic - 100 Prozent biologisch
- Organic - at least 95% of content is organic by weight (excluding water and salt) - Biologisch, mindestens 95 Gewichtsprozent sind biologischen Ursprungs (ausgenommen Wasser und Salz)
Produkte mit den folgenden beiden Hinweisen dürfen das USDA Biozeichen nicht tragen. Es darf jedoch im ersten Fall die Aufschrift „Made with Organic“ verwendet werden. Im zweiten Fall dürfen nur die jeweiligen biologischen Inhaltsstoffe einzeln als solche ausgewiesen sein, ohne einen Hinweis auf der Frontseite des Produkts.
- Made With Organic - at least 70% of content is organic (Bioanteil mindestens 70 Prozent).
- Less than 70 % of content is organic (Bioanteil kleiner als 70 Prozent)
Organic Trade Association
13.08.2008, Lebensministerium Öffentlichkeitsarbeit



