Hat Bio den Zenit erreicht?
In Österreich stagniert der Bio-Markt erstmals. Ist das nun das Ende des Bio-Booms? ExpertInnen dementieren – sie prognostizieren weiter einen Aufwärtstrend. Bremsfaktoren seien die Finanzkrise und Ölpreissteigerungen, beflügelnd wirken die Klimadebatte und der Trend zu mehr Nachhaltigkeit.
Der Bio-Markt verzeichnet in Österreich nach kontinuierlichem Wachstum erstmals 2008 einen leichten Rückgang im Wert von 0,1 Prozentpunkten (RollAMA - rollierende Marktanalyse der AMA Marketing). Doch trotz Finanzkrise sehen Expertinnen und Experten keinen Grund zu Pessimismus – ganz im Gegenteil.Aufwärtstrend hält noch an
„Der globale Bio-Markt wächst pro Jahr um ca. fünf Milliarden US-Dollar. Weltweit wird eine Fläche von 30,4 Millionen Hektar ökologisch bewirtschaftet“, sagt Amarjit Sahota, Geschäftsführer Organic Monitor. Das Volumen von Bio weltweit überstieg 2007 erstmals die 40 Milliarden-US-Dollar-Grenze.
Seitens des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FIBL) wird der Aufwärtstrend bestätigt: Die Zahlen, die Anfang September 2008 für rund die Hälfte der europäischen Länder vorlagen, zeigen ein weiteres Wachstum von über einer halben Million Hektar (+7 Prozent). Insgesamt werden in Europa etwa acht Millionen Hektar biologisch bewirtschaftet.
Zu wenig Bio-Bauern
Eines der Hauptprobleme ist, dass das Wachstum im landwirtschaftlichen Bereich mit dem Marktwachstum im Bio-Absatz vieler Länder nicht mitkommt. Etliche Hersteller und Großhändler befürchten, dass sich eine Unterversorgung negativ auswirken könnte. „Zu den größten Problemen gehört die langsame Umstellungsrate auf Bio-Landbau. Dies schränkt die heimische Versorgung mit frischer Ware und mit Rohstoffen für die Weiterverarbeitung ein“, bestätigt Katherine DiMatteo, IFOAM-Präsidentin (International Federation of Organic Agriculture Movements). Verschärfend kommt zudem immer mehr Konkurrenz von Bio-Treibstoffen ins Spiel, wodurch immer weniger Bauern bereit sind, auf Bio umzustellen. „Durch die Förderung der Produktion von Bio-Treibstoffen werden die Versorgungsprobleme noch schlimmer“, befürchtet DiMatteo. Selbst einige Öko-Bauern hätten aus wirtschaftlichen Gründen ihre Landwirtschaft auf Treibstoffproduktion umgestellt.
Bio & Nachhaltigkeit
Bio ist nicht gleich Bio. Viele Produzenten heben sich im mittlerweile sehr breiten Bio-Angebot durch zusätzliche Anforderungen ab. Es reicht nicht mehr, ein Produkt unter ökologischen Grundsätzen herzustellen. Auch fairer Handel, Regionalität, kurze Transportwege, Gesundheit, der faire Umgang mit MitarbeiterInnen und andere nachhaltige Aspekte spielen eine immer größere Rolle. Damit könnte der Öko-Gedanke auch eine Antwort auf eine Vielzahl von Umwelt-, Klima- und sozialen Problemen sein.
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22.04.2009, Lebensministerium Öffentlichkeitsarbeit


