http://www.biolebensmittel.at
Home

Servicelinks

Hauptnavigation

Suche



Inhalte

Huehner
Foto: Lebensministerium

Artgerechte Hühnerhaltung in der biologischen Landwirtschaft

Durch artgemäße Haltung und Fütterung garantieren Bio-Hühner Fleisch und Eier von höchster Bio-Qualität. Dieses Plus an Geschmack wissen immer mehr KonsumentInnen zu schätzen und greifen zu Geflügelprodukten aus biologischer Landwirtschaft.

Biologie des Huhns
Unser Haushuhn (Gallus domesticus) geht auf das sogenannte Bankivahuhn zurück. Dieses lebte schon vor Tausenden von Jahren in Südostasien und gilt als Urahn der heute etwa 150 Hühnerrassen. Das Bankivahuhn gehört zur Ordnung der Hühnervögel, zur Unterfamilie der Fasane und zur Gattung der Kammhühner. Es hat Ähnlichkeit mit unseren heutigen Zwerghühnerrassen. Wilde Bankivahühner legen zwei- bis dreimal im Jahr ein bis zwölf Eier, Hennen und Hähne leben in Gruppen von bis zu 50 Tieren zusammen. Wie nimmt ein Huhn seine Umwelt wahr? Mit welchen Sinneswahrnehmungen ist es ausgestattet und wieso legt es so viele Eier?
Hühner haben aber ein äußerst gutes Gehör. Es gibt mehr als 30 verschiedene Lautäußerungen, mit denen sie sich untereinander verständigen. Dafür sind  Seh- und Geruchssinn nur schwach ausgeprägt.
Punkto Geschmackssinn ist zu erwähnen, dass Hühner nur 25 Geschmacksknospen besitzen (Menschen hat im Vergleich dazu etwa 10.000). Der Verdauungsapparat von Hühnern besteht aus mehreren Mägen: Der Kropf dient zum Einweichen des Futters, der Drüsenmagen ist für die Vorverdauung zuständig und im Muskelmagen wird die Nahrung mithilfe von Kieselsteinen zerkleinert.
Aufgenommen wird die Nahrung mit dem Schnabel, der gleichzeitig auch den Tastsinn der Hühner darstellt. Er ist von einem dichten Nervengeflecht durchzogen, das in sogenannten Tastkörperchen endet. Über den Schnabel nimmt das Huhn Größe, Form, Oberflächenbeschaffenheit und Härte des Futters wahr. Der Schnabel dient auch zur Ordnung, Einfettung und Reinigung des Gefieders, reagiert auf Temperatur, mechanische Reize und auf Schmerz. Aus diesem Grund ist im Bio-Landbau das systematische Kürzen von Schnäbeln verboten.
Normalerweise legt die Henne zwischen zehn und zwölf Eiern – bis das Gelege voll ist. Da ihr in der Legehennenhaltung die Eier aber immer wieder weggenommen werden, wird die Henne angeregt laufend weiter Eier zu legen – bis zu 300 Stück pro Jahr. Die durchschnittliche Legeperiode und damit Lebensdauer einer Legehenne beträgt 15 bis 24 Monate.
 
Artgemäße Haltung
Während Hühner in früheren Zeiten ein Inbegriff von Luxus waren, haben sie diesen Ruf längst verloren. Das Huhn wurde zur Billigware. In der biologischen Landwirtschaft wird diesem Trend aber entgegengearbeitet. Um eine artgemäße Haltung garantieren zu können, müssen die verschiedenen Verhaltensmuster gekannt und berücksichtigt werden. Bio-Bäuerinnen und Bio-Bauern respektieren die Ansprüche der Hühner und bieten eine artgemäße Unterbringung: Hühner sind Herdentiere und leben nach einer genau festgesetzten Rangordnung. Je größer die Herde, umso eher kann es zu aggressivem Verhalten kommen, vor allem in Verbindung mit Platzmangel. Denn ein Huhn kann sich maximal 50 Artgenossen merken. Auch das Zusammendrängen auf engstem Raum verursacht das Aufkommen von Aggressionen.
Bio-Hühner leben daher in Kleingruppen mit entsprechendem Auslauf und der Möglichkeit, die angeborenen Verhaltensweisen auch auszuleben.
Auch Käfighühner, die ihr ganzes Leben lang eingesperrt waren, gewöhnen sich nicht an das Leben in „Gefangenschaft“. Sie haben immer noch dieselben Bedürfnisse wie ein Bio-Huhn. Bietet man ihm die Gelegenheit, erkundet ein freigelassenes Käfighuhn nach kurzer Zeit seine Umgebung, scharrt, nimmt ein Sandbad und pickt Würmer.
Genügend Auslauf, die Möglichkeit zu scharren, ein geschütztes Nest zum Eierlegen, Sand für das Staubbad sowie eine erhöhte Sitzstange für eine entspannte Nachtruhe sind in der biologischen Hühnerhaltung ebenso garantiert wie die Fütterung mit hochwertigem Bio-Futter.
Im Stall haben Biohühner mehr Platz als ihre konventionellen Schwestern. Am Biohof teilen sich maximal zehn Hennen einen Quadratmeter. Die Stallfläche ist weich eingestreut. In die Streu werden regelmäßig Getreidekörner eingebracht, damit die Hühner darin herumpicken und so die Einstreu auflockern. Bio-Hennen bekommen grundsätzlich nur Futter aus biologischer Landwirtschaft. Vorbeugender Einsatz von Antibiotika oder Antiparasitenmitteln ist verboten. Konventionelle Masthühner werden auf extreme Fleischleistung gezüchtet. Nach ca. 5 Wochen haben sie das Schlachtgewicht von 1,7 kg erreicht. Anders beim biologischen Freilandhuhn: Die Tiere wachsen langsamer und natürlicher. Die Mastperiode dauert neun bis elf Wochen, also etwa doppelt so lange wie bei der herkömmlichen Hühnerhaltung. Durch die Bewegung sind die Knochen kräftiger und das Fleisch besser durchblutet. Das macht sich an der Farbe, in der Fleischqualität und vor allem im Geschmack bemerkbar.
Das Futter für Bio-Hühner besteht vor allem aus Getreide, Eiweißpflanzen (Ackerbohnen, Erbsen, Sojabohnen, Lupinen) und Ölsaaten (Raps, Sonnenblumen, Leinsamen, Kürbiskerne). Im Auslauf finden die Tiere zusätzlich Gräser, Kräuter, Samen, Früchte, Insekten und Regenwürmer.


Comeback der alten Rassen
Im Laufe der Domestizierung wurde eine Vielzahl verschiedener Hühnerrassen gezüchtet. Ursprünglich handelte es sich vor allem um sogenannte Zweinutzungsrassen , die sowohl Eier als auch Fleisch lieferten. Mit zunehmender Spezialisierung der Betriebe änderte sich dies. Amerikanische, holländische, englische und französische Lege- und Masthybriden verdrängten immer mehr die alten Rassen, wie Sulmtaler und Altsteirer. Man züchtete Tiere, die entweder eine hohe Legeleistung oder eine hohe Mastleistung erbringen.
Auch auf Bio-Betrieben werden Lege- und Masthybride eingesetzt. Diese sind aber anfällig gegenüber Krankheiten und eine eigene Nachzucht ist mit diesen Rassen nicht mehr möglich. Deshalb wird in der biologischen Züchtung verstärkt versucht, wieder Zweinutzungsrassen zu züchten.

15.09.2009, Lebensministerium Öffentlichkeitsarbeit