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Schwein
Foto: BMLFUW/Rita Newman

Artgerechte Schweinehaltung in der biologischen Landwirtschaft

Seine Domestizierung liegt zwar schon einige 1000 Jahre zurück, dennoch unterscheiden sich die Bedürfnisse des Hausschweins kaum von denen seiner wilden Artgenossen. Erst das Kennen und Berücksichtigen der arttypischen Verhaltensweisen ermöglicht die Realisierung sinnvoller Haltungssysteme.

Hygiene
Entgegen ihres Rufs sind Schweine sehr reinliche Tiere. Sofern sie die Möglichkeit haben, halten die Tiere den Liegebereich stets sauber und trocken. Kot und Harn werden nur außerhalb und an den Reviergrenzen zur Markierung abgesetzt.
Bio-Schweine können dieses Bedürfnis artgemäß ausleben, sie haben ausreichend Platz und getrennte Liege- und Kotbereiche. Schweine können sich nicht an allen Körperteilen selbst kratzen und haben daher ein starkes Scheuerbedürfnis. Auch das Suhlen, Duschen und Baden dient der Körperpflege. Nach dem Suhlen bildet sich auf der Haut der Schweine eine dicke Schlammschicht, welche die Tiere vor Sonnenbrand, Stechinsekten und Parasiten schützt. Da Schweine nicht schwitzen können, ist die Suhle die einzige Möglichkeit, sich im Sommer abzukühlen. Wird ihnen diese Gelegenheit genommen, suhlen sich die sonst so reinlichen Tiere oft in den eigenen Exkrementen. Die biologische Landwirtschaft sieht für die Tiere Scheuerpfähle und Suhlen oder Duschvorrichtungen vor und im großzügigen Auslauf können die Tiere ihrem Erkundungsverhalten nach Herzenslust nachgehen.
 
Fortpflanzung
Hausschweine sind mit sechs bis acht Monaten geschlechtsreif. Während Wildsauen in der Regel ein- bis zweimal pro Jahr rauschen (meist im Herbst), können Hausschweine das ganze Jahr über gedeckt werden. Die Größe der Würfe hängt in freier Wildbahn vom Nahrungsangebot und den klimatischen Verhältnissen ab.
Innerhalb einer Rotte erfolgt eine Synchronisation der Rausche, das heißt, die Sauen werden im selben Zeitraum vom Eber gedeckt. Dadurch bekommen die Sauen nach knapp vier Monaten gleichzeitig ihre Ferkel. Einige Tage vor der Geburt sondert sich die Sau von der Rotte ab und sucht einen passenden Nestplatz. Das Nestbauverhalten vor der Geburt ist weitgehend angeboren, sehr komplex und an die herrschenden klimatischen Bedingungen angepasst. Die ersten Tage nach der Geburt bleibt die Sau fast ausschließlich im Nest. Danach werden die Ferkel zeitweise auch alleine gelassen. Kehrt die Sau zum Nest zurück, kontrolliert sie vor dem Hinlegen genau den Boden und verhindert dadurch, dass einzelne Ferkel erdrückt werden. Dieses angeborene Verhalten macht die angebliche Notwendigkeit der Haltung von Sauen in einem Kastenstand umso weniger nachvollziehbar. Unter natürlichen Bedingungen verlassen Sau und Ferkel nach etwa drei Wochen das Nest und kehren zur Rotte zurück. Mutter und Junge halten aber weiterhin engen Kontakt, meist über spezielle Laute (eigene Warn-, Lock- und Milchlaute). Bio-Bäuerinnen und Bio-Bauern versuchen den Sauen ein freies Abferkeln zu ermöglichen. Die Muttertiere bekommen ausreichend Nestbaumaterialien, die Fixierung im Kastenstand ist verboten.

Nahrungsaufnahme
Schweine sind Allesfresser und schätzen ein vielfältiges Nahrungsangebot. Außerdem haben sie das starke Bedürfnis selbst nach ihrer Nahrung zu suchen. Bis zu 70% ihrer Aktivitätszeit verbringen sie mit der Futtersuche.
Bio-Schweine bekommen ausreichend strukturreiches Grundfutter, das sie sich im Auslauf teilweise auch selbst suchen können. Das ist nicht nur förderlich für die Verdauung, sondern sättigt die Tiere und sorgt für Beschäftigung.
Das Grundfutter besteht vor allem aus Maissilage, Ganzpflanzensilage und Grünfutter, zusätzlich bekommen die Tiere Getreide, Körnerleguminosen (z. B. Erbsen, Bohnen, Lupinen), Kartoffeln und Rüben. Da Schweine einen sehr hohen Eiweißbedarf haben, ist es manchmal schwierig, alle Futtermittel in biologischer Qualität zu erhalten.

Sozialverhalten
Das Schwein ist ein sehr soziales Tier, sein Wohlbefinden hängt stark von der Anwesenheit seiner Artgenossen ab. Unter natürlichen Bedingungen leben Schweine in Familiengruppen, den sogenannten Rotten. Meist hat die älteste Bache das Sagen. Trotz streng hierarchischem System herrscht unter den Mitgliedern einer Rotte grundsätzlich ein sehr freundlicher Umgang. Erwachsene Eber sind Einzelkämpfer und leben nur während der Paarungszeit in den Familiengruppen. Die weiblichen Tiere sondern sich hingegen nur in der Abferkelphase von der Gruppe ab.
Während das Sehvermögen nur schwach ausgeprägt ist, spielt der Geruchssinn eine wichtige Rolle im Sozial- und Sexualverhalten der Tiere. Auch der Gehörsinn ist gut entwickelt, Schweine kommunizieren über die verschiedensten Laute. Bio-Bäuerinnen und Bio-Bauern versuchen, die natürliche Sozialstruktur im Leben eines Schweins so gut es geht zu erhalten und bieten den Tieren Gruppenhaltung mit ausreichend Platz und vielfältig strukturierte Ställe und Ausläufe. Den Tieren wird eine vielseitige Umgebung, Wühlmaterialien und Auslauf bei jedem Wetter geboten. Dies sorgt nicht nur für Abwechslung im Schweinestall, die verschiedenen äußeren Reize machen die Tiere auch robuster und weniger stressanfällig.

09.10.2009, Lebensministerium Öffentlichkeitsarbeit