Bio und Slow Food - Gemeinsame Ziele und Herausforderungen
Wie hängen Slow Food und Bio zusammen? In ihren Prinzipien und „Denkweisen“ verfolgen beide Bewegungen ähnliche Ziele. Es werden qualitativ hochwertige Lebensmittel erzeugt und traditionelle und naturverbundene Bewirtschaftungsweisen gefördert.
Die Umwelt soll dabei nicht zu Schaden kommen, sondern im Gegenteil gefördert werden. Auch Regionalität, faire Entlohnung der Landwirte und der Artenschutz - beispielsweise durch die gezielte Züchtung alter Nutztierrassen - sind Schlüsselbegriffe, die sowohl aus Slow Food als auch aus der Bio-Landwirtschaft nicht wegzudenken sind. Die Slow-Food- und Bio-Richtlinien sind jedoch nicht ident: Slow-Food-Produkte stammen meist, aber nicht zwangsweise aus Bio-Landwirtschaft. Für den Konsumenten bedeutet die Wahl dieser Produkte jedenfalls höchsten Genuss mit gutem Gewissen.Anläßlich der Terra Madre Austria, die am 27. und 28. Oktober 2009 im Wiener Rathaus abgehalten wurde, war eines der behandelten Themen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Bio-Landwirtschaft und Slow Food. Zweifelsohne sind die heimischen Bio-Bäuerinnen und Bio-Bauern die wichtigsten Träger im Anbau, in der Herstellung und der Verarbeitung von Slow Food-Produkten. Nach Ansicht von Jürgen Schmücking, Leiter der Abteilung Wein und Gastronomie des Dachverbandes Bio Austria, sehen sich beide Bewegungen zwei wesentlichen Herausforderungen gegenüber.
Eine Gemeinsamkeit (die von den Konsumenten naturgemäß nicht unbedingt goutiert wird) ist der Preis. Bio-Lebensmittel und Slow-Food-Produkte kosten mehr als konventionelle Nahrungsmittel. Das resultiert hauptsächlich aus dem hohen Arbeitsaufwand, der mit Anbau und Ernte der Produkte bzw. mit der artgerechten Tierhaltung verbunden ist und dem naturgemäß niedrigeren Ernteertrag (weil auf konventionelle Düngung und Pestizide verzichtet wird). Entscheidend sei es, den Mehrwert dieser Lebensmittel zu kommunizieren, so Schmücking. Abgesehen davon gebe es im Premium-Segment diese Unterschiede gar nicht: Konventionelle Produkte - beispielsweise Weine - übertreffen Bio-Preise oft bei weitem, so der Experte.
Eine Entwicklung, die zu bedenken gebe, sei die zunehmende Kommerzialisierung der Bio-Landwirtschaft. Die Lebensmittelindustrie habe Bio für sich entdeckt und zeige im Bio-Bereich starke Präsenz, dadurch könnte in der Öffentlichkeit der Eindruck entstehen, dass die Bio-Landwirtschaft von ihrer Authentizität einbüßt. Wichtig sei es hier, die vielen kleinen Produzenten in den Mittelpunkt zu rücken, um die Herkunft des Produktes - seine „Seele“ - gegenüber den Konsumentinnen und Konsumenten hervorzustreichen.
Schließlich sei es wünschenswert, dass die beiden Bewegungen, die ähnliche Ziele verfolgen, einander weiter annähern. Dies gilt sowohl hinsichtlich des Regelwerkes, in dem die Anforderungen an die Produzenten festgeschrieben sind als auch der Organisation. Jürgen Schmücking selbst ist dafür das beste Beispiel: neben seiner Tätigkeit für Bio-Austria ist er Leiter des Slow Food Conviviums Tirol.
05.11.2009, Lebensministerium Öffentlichkeitsarbeit


